indive - individualisieren differenzieren vernetzen

An der Universität Dortmund ist für Lehramtsstudierende innerhalb des Hauptstudiums, bzw. des Masterstudiengangs ein Schulpraktikum vorgesehen, welches im so genannten Theorie Praxis Moduls verankert ist. Dieses Modul verbindet eine zwei- oder vierwöchige Praxisphase mit vorbereitenden und begleitenden Seminaren der Fachdidaktiken und Erziehungswissenschaft. Die Studierenden lernen dort relevante didaktische Theorien, Konzepte und Untersuchungsergebnisse kennen, die sie in ihrem anschließenden Praktikum praktisch umsetzen sollen.

Das umgestaltete Theorie-Praxis Seminar im Fach Mathematik
Das Theorie Praxis Seminar im Fach Mathematik wurde speziell für das indive-Projekt umgestaltet und dient als Vorbereitung auf die Praxisphase an unseren Partnerschulen. Im Gegensatz zu Seminaren aus anderen Fächern bietet wir unseren Studierenden die Möglichkeit ihre Praktika an beteiligten Projektschulen zu absolvieren, an denen sich engagierte und erfahrene Lehrkräfte befinden, die unsere Studierenden betreuen. Einen besonderen Fokus legen wir dabei insbesondere auf die frühzeitige und gleichgestellte Zusammenarbeit auf die Vorbereitung und Umsetzung von einer Reihe von Mathematikstunden während der Praktika. Die Planung und Durchführung einer Stunde – wie es häufig noch durchgeführt wird – ist in unseren Augen zu kurz gedacht. Planen Studierende und Lehrkräfte zusammen eine ganze Reihe eröffnen sich vor allem für die Studierenden ganz neue Einblicke in die Unterrichtsplanung und den speziellen Umgang mit den Schülerinnen und Schülern.



Diagnostik, Flexibilität und die Begleitung von Lernprozessen einzelener Schüler rückt in den Fokus schon dieser frühen Ausbildungsphase. Dies setzt natürlich einen hohen Anspruch an das vorbereitende Seminar, denn schon hier müssen die Grundlagen und das notwendige Handwerkszeug für eine anspruchsvolle Umsetzung gelegt werden. Allzu häufig kommen Studierende noch ohne differenziertes didaktisches Vorwissen in dieses Seminar, so dass beginnend mit den Grundlagen der Unterrichtsplanung über den Umgang und die zentrale Bedeutung von Aufgaben im Mathematikunterricht bis hin zu zentralen und aktuellen Themen wie Diagnose, Individuelle Förderung, etc. fundamentale Elemente gelehrt, angeleitet und selbstständig erarbeitet werden müssen. In der Tradition des IEEM legen wir dabei großen Wert auf die konkrete Auseinandersetzung und eigen Erprobung von Materialien, denn nur so erfahren die Studierenden hautnah, wie effektiv und effizient ihre Materialien sind und welche Aspekte für eine Unterrichtsreihenplanung relevant sind. Diese Inhalte sind dabei im Vorfeld mit den Schulen abgesprochen. Zudem weiß auch das Studienseminar Dortmund von dieser konkreten Herangehensweise.


Zur konkreten Arbeit im Seminar
Die Arbeit im Vorbereitungsseminar ist vielfältig. So werden z.B. diagnostische Materialien entwickelt, anhand derer die Studierenden versuchen, die vorhandenen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu ermitteln. Dieses findet im Austausch mit den Hochschullehrern, den Projektlehrern aber auch im Gespräch mit anderen Studierenden statt. Die erstellten Materialien werden somit von vielen Personen weit vor ihrem Einsatz reflektiert und ständig überarbeitet. Die Studierenden haben zudem die Möglichkeit auf den reichhaltigen Fundus an Materialien und Literatur der Didaktischen Werkstatt des IEEM zurückzugreifen.
Bevor das eigentliche Praktikum beginnt, gehen die Studierenden an die jeweiligen Schulen, um die Schülerinnen und Schüler erstmalig kennen zu lernen und um ihre erstellte Diagnostik durchzuführen. Anhand der Ergebnisse planen sie anschließend in den vorbereitenden Seminaren den Unterricht. Dabei entstehende u. a. differenzierende Lerneinheiten, Arbeitsblätter zur freien und individuellen Arbeit sowie Elemente klassischen Unterrichts, die stets an den Stärken und Schwächen der Schüler ausrichten sind. Im Kern geht es darum, jeder Schülerin und jedem Schüler bestmöglich nach ihren/seinen Fähigkeiten zu fördern bzw. im Lernangebote zu schaffen, mit denen sie/er ihr/sein Wissen und Können verbessern kann. Effektive Diagnostik und abwechslungsreiche Angebote können in unseren Augen die Grundlage für eine gute individuelle Förderung darstellen. Da es derzeit noch zu wenige Unterrichtsmaterialien mit dieser Ausrichtung in der Sek I und II gibt, leisten Lehrkräfte, Studierende und Hochschulmitarbeiter hier Pionierarbeit. Die Erfahrungen und Ergebnisse der ersten Durchgänge zeigen jedoch schon, dass die Ansätze viel versprechend sind und den Beteiligten zeigen, dass so der politischen Forderung nach individueller Förderung begegnet werden kann.

Die Symbiose und gute Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Lehrern reduziert häufig die Hemmschwelle und eröffnet neue Möglichkeiten und den Mut im Team neue Dinge einfach mal auszuprobieren. Seien es neue Methoden wie die Freiarbeit, das Gruppenpuzzle u.a. oder einfach nur die Förderung des selbstständigen Arbeitens der Schülerinnen und Schüler. All zu häufig wird aufgrund der fehlenden Zeit auf diese Arbeitsformen verzichtet, doch die Zeit, die man einmalig in die Einführung und Reflexion der Methoden investiert, zahlt sich all zu häufig mit den Jahren aus, wenn die Schülerinnen und Schüler ein Repertoire an Methoden zur eigenen Diagnostik und zum selbstständigen Lernen kennen gelernt haben und ihre Arbeitsprozesse eigenständig organisieren können.

Um den produktiven Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten zu vereinfachen wurde eigens für unser Projekt eine Lernplattform eingerichtet. Auf dieser können bisher erstellte Materialien von allen am Projekt Beteiligten eingestellt und auch die Arbeiten anderer eingesehen werden. Hier entsteht ein reicher Fundus an Materialien, der für alle am Projekt beteiligten langfristig zugreifbar bleibt.

Seit dem Sommersemerster 2009 vergibt auch die Projektleitung in Dortmund ein indive-Zertifikat, das besonders gelungene Unterrichtsprojekte oder einzelne Stunden mit dem Schwerpunkt  des individuellen Lehrens und Lernens oder einem hohen Maß an Differenzierung bescheinigt.

Ansprechpartner für die Seminararbeit: Conny Walzebug